Alljährlich am ersten Septemberwochenende feiern die Abensberger einen der ältesten und größten Jahrmärkte Bayerns, den Gillamoos - verbunden mit einem Waren- und Viehmarkt zieht er Zehntausende aus der ganzen Hallertau und noch von weiter her in seinen Bann.
Die Entstehung des Gillamoos-Jahrmarktes
Bereits im 15. und 16. Jahrhundert entwickelte sich der Gillamoos zu einem der größten Jahrmärkte im weiten Umkreis.
Nach dem zweiten Weltkrieg ist er zum Volksfest geworden mit Festzelten, Riesenrad, Reiter-, Geister- und Achterbahnen und vielerlei Ständen und Buden.
Der Gillamoos-Jahrmarkt ist aus einer Wallfahrt hervorgegangen, die jedoch seit langem nicht mehr stattfindet.
Sie wäre wohl längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht in dem Wort Gillamoos der Name des Heiligen enthalten wäre.
Ihm zu Ehren sind die Menschen aus weitem Umkreis am 1. September, später am Sonntag danach, zu einem Kirchlein gekommen, um seine Fürbitte zu erflehen: zu St. Aegidius.
St. Aegidius-Wallfahrt 1313 erwähnt
Der Name Aegidius erfuhr im Bayerischen nach und nach mehrere Veränderungen:
Ägid, Egid, Gilg, Gilgen, Ilgen und dann Gilla (in Verbindung mit "Moos").
Der Gillamoosmarkt mit der Wallfahrt wird in einer Abensberger Urkunde aus dem Jahr 1313 erstmals genannt. Aus dem "Sand Gilg in dem oder am Moos" verkürzte es sich zu "Gillamoos", wobei anfangs das sumpfige Gelände (das Gilla-Moos) gemeint war, dann aber auch bald die Wallfahrt mit Patroziniumsfeier und Jahrmarkt zusammen, aber mit männlichem Geschlecht: der Gillamoos. Es ging ja zu St. Gilg am Moos, und der war schließlich ein Mann. Nach und nach hatte sich aus (St.) Gil(g) a(m) Moos der Gillamoos entwickelt.
Nicht der Gillamoos jedoch mit seiner Wallfahrt wird in einer frühen Abensberger Urkunde aus dem Jahr 1313 erstmals genannt, sondern lediglich eine Wiese, "gelegen bei Sand Gilgen in dem Moos". So steht es in dem Verzichtsbrief vom 5. Februar 1313 zu lesen, den Herr Wenhard von Abensberg zu Gunsten des Klosters Weltenburg hat ausstellen lassen.
In Nr. 35 von "Urkundenbuch der Geschichte Abensbergs" (1867) von Peter Dollinger und Nikolaus Stark heißt es dazu: "... unser Hayrecht, das wir da haben auf der Wise die man heißt die Puecherin, die gelegen ist bei Sand Gilgen in dem Moos...". Mit "Puecherin" war eine zum Puchhof bei Weltenburg gehörende Wiese gemeint.
Das Kirchlein von St. Aegidius hat demnach bereits gestanden und man kann daraus schließen, daß auch der Aegidiusmarkt, ursprünglich ein Pferdemarkt, seit Beginn der Wallfahrt auf einer nahgelegenen Wiese, Gauger genannt, schon abgehalten wurde.
Verlegung nach draußen
Wann der Gillamoos auf die Wiese vor dem Abenstor verlegt wurde, läßt sich heute nicht mehr bestimmt feststellen. Aus einer städtischen Kammerrechnung von 1583 geht hervor, daß der Ägidi- oder Gillamoosmarkt bereits um diese Zeit außerhalb der Stadt auf der sogenannten Kälberetz, einem zwischen der Abens und der Straße nach München gelegenen Wiesengrundstück abgehalten wurde.
Es mag das bei Regenwetter fast unzugängliche Wiesengelände im Gillamoos schuld gewesen sein, oder auch das Bestreben der Abensberger Herrschaft, den gutgehenden Waren- und Pferdemarkt in unmittelbarer Nähe zu haben, um ihm mehr Schutz angedeihen lassen zu können.
Der Name "Gillamoos" ist auf das Jahrmarktsgeschehen auf der Kälberetz übergegangen, wie auch sein maskulines Geschlecht: der Gillamoos.
von Fritz Angrüner