Rauflust – damals am Gillamoos

am 2. September 1923 ging es rund:
Schlagzeilen: „Ganz Abensberg muss in Flammen stehen!“ / Schwere Schäden / Sogar das Militär musste eingreifen

Früher ist in Bayern und so auch in und um Abensberg viel und gerne gerauft worden.
Da kamen die Burschen von auswärts und suchten irgendeinen Anlass, um ihrem Sonntagsvergnügen, ihrem „Sport“ zu frönen. Zuerst wurden Spottlieder gesungen und dann ging sofort eine wüste Schlägerei mit Stöcken, Stühlen, Tischbeinen und sogenannten „Totschlägern“ (Stöcke mit Bleikopf oder in das Taschentuch eingewickelten Kieselsteinen) los.

Bei solch einer Rauferei ist es zu einem Landesfriedensbruch schwerster Art am Gillamoos des Jahres 1923 gekommen. Durch die Drohung, ganz Abensberg an allen vier Ecken anzuzünden, wurde die Bevölkerung der Stadt in große Erregung versetzt, die sich erst dann allmählich legte, als zur Unterstützung der 12 Mann zählenden Abensberger Hilfspolizei auf der Gillamooswiese, der sogenannten Gillamooswache, die zur Hilfe gerufene Landespolizei von Regensburg und Ingolstadt herbeigeeilt kam.

Am Gillamoossonntagnachmittag um 5 Uhr hatte in der Bierbude des Gastwirts Keil ein Unbekannter einem Kelheimer Musiker eine Ohrfeige versetzt, und dabei entstand ein großes Handgemenge, in das sich immer mehr Menschen einmischten, Kelheimer Anhänger, und Einheimische, die schlichten wollten.

Schließlich wurde die Gendarmerie alarmiert, aber die wenigen Gendarmen waren gegenüber der großen Masse hilflos. Alsbald erstreckte sich die Rauferei auf die ganze Bude und bis auf die Münchner Straße hinaus, wobei die Gendarmen notgedrungener Maßen zur Waffe greifen mussten, und es fielen sogar Schüsse, auf beiden Seiten!

Schon gab es den ersten Schwerverletzten unter den Raufbolden durch einen Schuss in den Oberschenkel, doch die Zahl der Rauflustigen wurde immer größer. Mit Steinen und Prügel verfolgten sie die flüchtenden Gendarmen, da letztere keine Munition mehr hatten. Ein Rädelsführer aus Kelheim wurde durch einen Säbelstich in den Bauch verletzt.

Inzwischen war die Dämmerung eingetreten und die Kelheimer „Sieger“ zogen von der Gillamooswiese zur Stadt und drohten, „ganz Abensberg muss in Flammen aufgehen!“ Als um 8 Uhr abends plötzlich der Weinberger Keller, ein Ökonomiegebäude, brannte, traf in Stärke von 40 Mann gegen 9 Uhr das Ingolstädter Militär mittels Auto in Abensberg ein. Seine Aufgabe war, den Brandherd abzuschließen, um Diebstählen vorzubeugen, und an verschiedenen gefährlichen Plätzen Posten aufzustellen. Die anwesenden Feuerwehren konnten vom ganzen Brandobjekt nur mehr das Wohnhaus retten.

Das Militär führte auch noch am Gillamoos-Montag auf der Gillamooswiese Patrouillen durch, aufgrund weiterer angekündigter Unruhen von seiten der Kelheimer Raufbrüder.

Als es zu einigen Verhaftungen kam und dabei das Militär Beschimpfungen ausgesetzt war, wurde der ganze Gillamoos geräumt, bis auf die Schausteller und das Bedienungspersonal, widerspenstige mussten dabei den Gummiknüppel verspüren.

Das Militär blieb auch noch am Dienstag in Abensberg, um der Gendarmerie bei den vielen Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Kontrollen Hilfe zu leisten. Ganz Abensberg atmete aber erleichtert auf, alswieder Ruhe und Ordnung hergestellt waren und die Raufbolde hinter Schloss und Riegel saßen.

Bei den Raufern und Brandstiftern hagelte es Strafen zwischen fünf Jahren und sechs Monaten Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis.

(Nach Franz Xaver Osterrieder, in „Es war“, 1936.)




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