Der Gillamoos in Abensberg wie es früher war

Aus der Geschichte vom Gillamoos…

In altersgrauer Zeit, als außer der Burg von Abensberg noch nichts zu sehen war, stand unweit des Babonenschlosses, etwa eine Viertelstunde auswärts, ein dem Hl. Aegid geweihtes Kirchlein „St. Gilg am Moos“ genannt, und daneben ein Bauernhof, der Gilgenhof, oder wie wir heute sagen, der Gillahof.

Unscheinbar wie dieses aus lauter Quadern erbaute Gotteshaus gewesen sein mochte, war es dazumal dennoch ein gar vielbesuchter Wallfahrtsort. Ganz besonders feierlich wurde das Fest des Hl. Aegid, der zu den vierzehn Hl. Nothelfern gehört, am ersten September begangen. Es wurde ein Amt gesungen und eine Predigt gehalten; sehr wahrscheinlich fand dieser Gottesdienst im Freien statt, da das Kirchlein für so viele Menschen wohl zu klein gewesen sein mochte. Dieses Wallern zu St. Gilg am Moos verband man gemeiniglich mit der Abhaltung eines Pferdemarktes, der Tags darauf auf dem nahe liegenden Gauger, einer großen Wiese, stattzufinden pflegte. Es blieb jedoch nicht bei dem Pferdemarkt allein; gar bald verband man auch damit einen Warenmarkt und bestimmte dazu zwei Tage. In späteren Jahren feierte man dieses Patroziniumsfest nicht mehr am ersten September, sondern am ersten Sonntag nach dem Feste des Hl. Aegid, wie das ja auch heute mit dem Gillamoos noch der Fall ist.
Welch prächtiges Schauspiel mochte wohl diese Kirchfahrt zu St. Gilg am Moos gewesen sein! Die Bedeutung, welche dem Markte in damaliger Zeit zukam, war selbstverständlich den Verhältnissen entsprechend eine unendlich größere als heutzutage. Ach kämen doch auch unsere Bauern noch in ihrer alten malerischen Tracht zum Gillamoos! Hätten sie noch den gesunden Stolz von ehedem, die bäuerliche Sonderart auch durch ihre bodenständige Tracht zum Ausdruck zu bringen! Tief ist diese Verflachung und Nachahmungssucht zu beklagen, die wie ein Krebs an der Seele unseres Volkes nagen und ihr jenes unverfälscht aus der Schöpfung hervorgegangene Schönheitsbild rauben, die Ursprünglichkeit nämlich, diesen ewigen Jungbrunnen neuer Kraft.

 

Zum ersten Mal wird der Gillamoos am 13. Februar 1313 in einem Verzichtbrief des Wernhardt, Herrn von Abensberg, urkundlich erwähnt. In einer Kammerrechnung vom Jahre 1491 werden die Einnahmen aus dem Standgeld und dem Zoll verrechnet. Und aus einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1566 erfahren wir, dass auf dem Markt in St. Gilgenmoos drei Zentner Schmalz für die kurfürstliche Küche in München gekauft worden sind.

Das Kirchlein St. Gilg am Moos ist 1813 abgebrochen worden, zu einer Zeit also, da man in unserem Vaterlande so viele schöne altehrwürdige Denkmale wegen angeblicher Baufälligkeit dem Erdboden gleichmachte. Die Steine davon wurden zum Bau eines Stadels im nahen Schillhof verwendet, allwo heute noch an einer Mauer ein Basrelief, ein dornengekrönter Christuskopf zu sehen ist.

Nach der Erhebung Abensbergs zur Stadt, was selbstverständlich eine Zunahme des Handels und Verkehrs zur Folge hatte, verlegte man den Gillamoos auf die sogenannte Kälberötz vor dem Abenstor, wo er heute noch abgehalten wird. Auch den Gottesdienst schien man in die Pfarrkirche verlegt zu haben, der dann gegen Ende des 18. Jahrhunderts ganz aufhörte. Diese Wiese war dazumal mit Steden und Felber (Weidenäste) umsäumt und durfte nur während des Gillamoosmarktes zum Fahren und Reiten benützt werden. Im Jahre 1810 wurde sie dann an verschiedene Personen verkauft, und zwar mit dem Vorbehalt, dass darauf der Gillamoos auf ewige Zeiten abgehalten werden dürfe.

Wann diese Verlegung stattgefunden hatte, lässt sich heute nicht mehr bestimmt feststellen. Wir wissen nur aus einer Kammerrechnung vom Jahre 1583, dass der Aegidi- oder Gillamoosmarkt außerhalb der Stadt und nicht wie früher „in oder bei Gilla“ abgehalten worden ist.

Nach altherkömmlichem Brauch wurde der Gillamoos acht Tage vorher mittags 12 Uhr feierlich eingeläutet und acht Tage darauf wieder ausgeläutet, welche Sitte im Laufe des 19. Jahrhunderts einging. Während dieser Zeit genoss jedermann die Freiung sowie die Ungestraftheit aller während seiner Dauer verübten Vergehen. Ja man beliebte deshalb sogar scherzweise zu sagen, dass es den Bürgern von Abensberg erlaubt wäre, ihre Frauen während dieser Zeit ungestraft zu verprügeln.

Wer zum Markt kam, ob nun Handelsmann oder nicht, vom Inlande oder Auslande, hatte Sicherheit und Geleit und durfte um der ungestörten Handelschaft willen nicht belästigt werden. Da kamen Regensburger, Straubinger, Landshuter, Freisinger Kaufleute, Landschuster, Metzger, Bäder und Händler aus nah und fern. Es mochte oftmals ein großes Gedränge gewesen sein, wenn die Fuhrwerke, nachdem die Freiung eingeläutet worden war, durch die engen Stadttore wollten, und des Torwärters Aufgabe, Warenschau zu halten, war keinesfalls eine leichte.

 




Gehandelt wurde auf diesen alten Gillamoosmärkten Leinwand, Tuch, Garn, Flachs, Werg, Salz, Eisen, Getreide, Hopfen, Mühlsteine, Zinn, Blei, Kupfer, Wachs, Honig, Lebzelten, Käse usw. Auch reisende Ärzte gab es da, die Salben, allerhand Mixturen und Pflaster anpriesen und auch Zähne zogen.

Hochinteressant ist die Gillamoosordnung vom Jahre 1590, worin das Standgeld und Platzgeld eigens angeführt wird und was der Amtmann und die sonstigen beteiligten Personen erhielten.

Und da der Gillamoos gewöhnlich auch der Bummelplatz der Gauner und jeder Art Lumpengesindel war, so musste zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des Friedens der kurfürstliche Pfleger oder Richter mit dem Gerichtsschreiber am Abend zum Vormarkt und des Morgens am wirklichen Markttag in den Markthütten sitzen und zwei Personen, die ihm tauglich und genehm schienen, in die Zollhütten bestimmen.

Übrigens scheint dieser Herr Amtmann beim Gillamoos wohl nie leer ausgegangen zu sein. Von allem Obst, das in den Säcken oder Zubern auf den Markt getragen wurde, gehörte das Standgeld ihm, von jenem aber, das auf Karren oder Wagen dorthin geschafft wurde, erhielt die Obrigkeit vier Pfennige und er selber einen Pfennig. Auch die zu den Bier- und Weinhütten benützten Stauden gehören ihm. Ebenfalls hatte er Anspruch auf einen Pfennig vom Standgeld der auswärtigen Händler, während die Lodner, Krämer und anderen Bürger von Abensberg und Rohr vom Standgeld befreit waren.

Wie aus einem Scharwertbuche vom Jahre 1587 zu ersehen ist, mussten zum Auf- und Abbau des Gillamoos die Bauern der Umgebung Schardienste leisten, z. B.:

1. „Die Söldner zu Schwaighausen, Kirchdorf, Almersdorf, Mandelkirchen, Gögging und Mühlhausen müssen alle nötigen Hütten machen.

2. Die Bauern in diesen Dörfern müssen die nötigen Stützen und Stauden hinzuführen, ebenso die beiden Bauern zu Schwaighausen und den Einöden jeder ein Fuder.

3. Die Bauern zu Almersdorf, Mandelkirchen, Gögging, Heiligenstadt, Mühlhausen, Staudach, Neuenkirchen, Staubing, Kirchdorf, Urspach samt dem Stegenhof müssen jeder ein Fuder Stangen und ein jeder Bauer zu Eining ein Fuder Stützen führen.

4. Das Stangenholz aus dem Hochholz, die Stützen vom Eininger Grasset, die Stauden vom nächstgelegenen Gehölz genommen.

5. Die Söldner zu Heiligenstadt, Salingberg, Urspach und Allerstorf müssen die Hütten wieder abbrechen, die Stauden gehören dem Amtmann und die Stangen und Stützen sollen sie in den Bauhof hereinführen.“

Das gibt einen Begriff, welche Ausmaße der einstige Gillamoos gehabt haben müsse. Und welch farbenbelebtes Bild! Da unterschied sich der Bauer vom Bürger, der Bürger wiederum vom adligen Grundbesitzer. Alles war lustig und fidel, da war keine Trauer wahrzunehmen auf den Gesichtern der Besucher des Gillamoos. Alle Streite und Feindseligkeiten waren eingestellt, alles atmete Freude und Lust am Leben!

Auszug aus „Abensberg – meine Heimat“ von Hanns Schwarz, 1927




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