Das Gillamoos-Schießen

der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548

Das traditionell am 1. Sonntag nach dem Gillamoos stattfindende Schießen wird in der Chronik der Feuerschützengesellschaft Abensberg erstmalig 1604 als „Ausgeschriebenes Schießen auf Egidi“ erwähnt und wurde damals von Seiten der Stadt mit 4 Heller bezuschusst.

Bis 1897 fand das Gillamoos-Schießen auf der Gillamoos-Wiese statt.

Sehr interessant sind die dabei als Trophäen vergebenen Gillamoos-Scheiben – dort wird z. B. 1923 die Rauferei auf dem Gillamoos gezeigt.

 

Chronologie des Gillamoosschießen der Kgl. priv. FSG Abensberg und Besondere Begebenheiten:

1604: Erstmals in der Chronik erwähnt: “Der Rath der Stadt Abensberg bewilligte den Schützenmeistern zu dem ausgeschriebenem Schießen auf Egidi (dem sog. Gillamoosmarkt Schießen) einen Beitrag von 4 hl.“

Der selbe Zuschuss fließt in den Jahren 1611 – 1613.

Am Donnerstag, 20. Juni 1630 erhielt man einen Zuschuss von 3 hl. zu einem Schießen auf dem Markt Egidi.
1649 – 1705: Für diesen Zeitraum wir das Gillamoos-Schießen nicht extra erwähnt. Mann liest aber folgendes: „Die Rathsprotokolle der Stadt Abensberg lassen uns entnehmen, daß in dem Zeitraum die hiesigen Schützen alljährlich und ununterbrochen ihre Übungen (Vortelschießen) anhielten und dafür den Schützenvortel von der Stadt ausbezahlt bekamen“. Es ist also nicht auszuschließen, daß auch das Gillamoosschießen in diesem Zeitraum stattfand, zumal jede Schießsaison mit einem Endschießen abgeschlossen wurde und dieses immer um den Gillamoos herum stattfand. So z. B. am Sonntag, 13. September 1654.

Erst für den Zeitraum 1748 – 1774, 1776 – 1795 wird das Gillamoosschießen wieder alljährlich erwähnt. “Lebhafte Beteiligung fanden stets bei hiesigen und auswärtigen Schützen die von Alters her stammenden Gillamoosschießen und wurden deshalb sehr häufig die von der Stadt gegebenen Besten durch Zuschüsse aus der Schützenlade aufgebessert, um die Schützenlust zu wecken.“

1796: In diesem Jahr viel sowohl der Gillamoos selbst, als auch das Gillamoosschießen aus. Der Grund war: „Der Einfall der französischen Revolutions- Armee und ihrer Gegner der Österreicher, in Bayern wurde im September 1796 für unsere Stadt und Umgebung sehr Gefahr drohend. Namentlich Anfangs September zur Zeit wo sonst der Gillamoosmarkt Tausende von Besuchern herbeizog. Damals (Sonntag den 4. September) lagerten gar viele fremde Gäste in und um Abensberg, allein es war Kriegsvolk (der österr. General Nauendorf mit ca. 14000 Mann), das trotzdem es Freunde waren, der Stadt und Bürgerschaft große Kosten verursachte. Kriegsvolk von dem man nicht wissen konnte, ob es den nicht all zu fernen Feind zum Nachteil für sich und für Abensberg nach sich ziehe. Als am 8. September die Österreicher sich an die nach Regensburg führende Strasse zogen, dort auf allen Höhen ihre Kanonen auffuhren und deren Mündungen genau auf die Stadt richteten, als Pioniere das Abenstor und die Brücke besetzten und der Steg über die Abens bei der Schleifmühle abgetragen wurde, zum Zwecke um die von Mauern her gegen Regensburg vorrückenden Franzosen durch einen Angriff aufzuhalten, da verbreitete sich das größte Entsetzten unter den Bewohnern unserer Stadt. Doch blieb es nur beim Schrecken, da die Franzosen schon Tags darauf sich zurückzogen.“

1798 – 1805: Der Churfürstliche Herrenvortel wird alljährlich mit 12 Gulden ausbezahlt. Zuzüglich dem alljährlichen Stadtvortel von 7 Gulden 30 Kreutzer. Dadurch können die Übungen, Kirchweih- Gillamoos- und Endschießen abgehalten werden.

Für die Jahre 1810 – 1812, 1814 – 1913, 1919 – 1938, 1952 und 1953, sowie 1970 bis heute ist jeweils ein Gillamoos-Schießen in der Chronik, mit nachfolgenden Ausnahmen, erwähnt.

1806 – 1809, sowie 1813 findet sich diesbezüglich kein Eintag in der Schießkladde.

1870 entfiel das Gillamoos-Schießen aus folgendem Grund: “Der Krieg gegen Frankreich, dem Erbfeind Deutschlands, im Juli 1870 plötzlich ausgebrochen, hemmte alle Unterhaltungen, weshalb auch das Gillamoosschießen und Winter- und Übungsschießen unterblieben.“

1871 fand ebenfalls kein Gillamoos-Schießen statt. Statt dessen veranstaltete die Gesellschaft am 10. September ein Festschießen “Zu Ehren der aus dem französischen Feldzug ruhmreich zurückgekehrten Krieger der Stadt Abensberg“.

1874 entfiel selbiges, “da am 13. September, dem Tag des Schießens, ein Pferderennen mit 10 Geldpreisen von 100, 80, 60, 50, 40, 30, 25, 20, 15, 10, und 6 Mark und einem Weitpreis von 6 Gulden nebst dazugehörigen Fahnen abgehalten wurde und die Rennbahn über die Auweiden und die Schießstättenwiese gezogen wurde“.

1879 entfallen “wegen Manöver der I. und II. Division des I. bayerischen Armeekorps in Abensberg“.

1914 – 1918 wegen des 1. Weltkrieges fanden keine Übungs- und Preisschießen statt.

1923 entfallen wegen Raufereien auf dem Gillamoos. Siehe Auszug aus der Chronik: “Leider war es nicht möglich ein Gillamoosschießen in diesem Jahr abzuhalten. Verschiedene kommunistische Radaubrüder aus Kelheim hatten nämlich während des Gillamoosmarktes planmäßig größere Unruhen hervorgerufen. Am Gillamoos-Sonntag inszenierten sie eine Rauferei. Die eingreifende Gendarmerie wurde von dem Pöbel in die Flucht geschlagen. Darauf wurde Schutzpolizei aus Ingolstadt und Regensburg zu Hilfe gerufen, die auch noch im Laufe des Nachmittags einige Züge stark auf Lastautos eintrafen. Am Abend brannten zudem fast das ganze Anwesen des Anton Meier ab, wahrscheinlich war es von den Unruhestiftern in Brand gesteckt worden. Als am nächsten Tag auf dem Gillamoos erneut eine Rauferei ausbrach, wurde der Platz von der Schupo mit Gummiknüppeln geräumt. Die Aufregung in der Stadt u. Umgebung war infolge dieser Vorgänge begreiflicherweise ungeheuer. Mit Rücksicht auf diese Unruhe in der Bevölkerung wurde beschlossen von der Abhaltung eines Gillamoos-Schießens Abstand zu nehmen“. Die Gillamoos-Scheibe von 1925 erinnert heute noch, in eindrucksvoller Weise an die Vorfälle beim Gillamoos 1923.

Anfang 1939 wurde die hiesige Schießstätte wegen “Unfallgefahr“ von der zuständigen Behörde geschlossen. Am 1. September 1939, Ausbruch des 2. Weltkrieges. Die Gesellschaft ruht bis einschl. 1950.

Am 1. März 1951 fand die 1. Generalversammlung seit 1938 mit folgender Tagesordnung statt: 1. Tätigkeitsberichte, 2. Kassenbericht, 3. Änderung der geltenden Satzung, 4. Wal der Vorstandschaft, 5. Wünsche und Anträge. Die Gesellschaft war somit wieder aktiv.

 

Besondere Begebenheiten bei den Gillamoos-Schießen:

Bis zum Jahre 1867 fand das Gillamoos-Schießen auf dem jeweiligen Gillamoosmarktplatz statt. Nachdem die Gesellschaft ihre, heute noch genutzte, neue Schießtätte an der Münchner Straße 1868 bezogen hatte, verlagerte sich das Schießen auf die selbige. Aus dem Jahr 1820 ist jedoch eine Beschreibung des Schießplatzes auf der Gillamoos-Wiese erhalten der nun folgt: “Die Richtung des Schießplatzes war von West nach Ost gegen Gaden hin, er befand sich hinter den Standreihen auf kleiner Erhöhung des Wiesenbodens und war 375 Schuh oder 150 Schritt lang. Die Scheiben waren weiß gestrichen, mit einem 12 Zoll im Durchmesser haltenden Schwarz versehen, das Schwarz in 4 gleiche Kreise geteilt. Sie bestanden im Haupt, zwei Glück ein Kranz und waren frei an Säulen befestigt, mit Gesträuch im Hintergrund, Die Standhütten für die Schützen wurden gleichfalls nur aus Baumzweigen angefertigt. Hinter den Holzstössen suchten die Zieler ihre Deckung und es ist wahrlich ein Wunder zu nennen, daß sich trotz der primitiven Einrichtung niemals ein Unglück ereignete. Hie und da wurden auch Wächter aufgestellt um die über die sog. Kroitwiesen gehenden zu warnen. Die Kugeln der Büchsen und Stutzen mit welchen damals geschossen wurde, flogen gar oft bis Gaden – ca. 1 ½ Km in der Luftlinie)“.

Unter dem Jahr 1897 ist zu lesen: “Seit mitte August wurden Tag für Tag die Fluren hiesiger Gegend mit Regengüssen getränkt und mußten die Besucher des Gillamoosmarktes förmlich im Schmutz waten. Es war daher die Befürchtung, dass das Gillamoos-Schießen unter der Ungunst der Witterung sehr beeinträchtigt werden würde, so mehr dass man das Schießen lieber gar nicht abhalten hätte können. Doch hat sich diese Befürchtung zur Freude der Schützen nicht vollends erfüllt. Wenn es auch ziemlich kalt und auf der durchnäßten Wiese vor der Schießhalle das Sitzen im Freihen unmöglich war, so hatte an dem festgesetzten Tage Sonntag, den 12. September wenigstens der Regen aufgehört, so daß sich 17 meistens auswärtige Schützen einfanden. Es wurde sehr gut geschossen, da wegen des bedeckten Himmels das Schwarz der Scheiben sehr rein zu schein war.“

Beim letzten Gillamosschießen vor dem 2. Weltkrieg, am 11. September 1938, war unter anderem die Kleinkalieberscheibe im Schießprogramm. Als besondere Attraktion wurde aber auch ein Tontaubenschießen in das Programm mit aufgenommen.

Beim 1. Gillamoos-Schießen nach dem 2. Weltkrieg, vom 13. – 21. September 1952, bedauerte man lediglich, dass der frühere Schützenzug durch die Straßen der Stadt und weiter zur Schießstätte nicht stattfinden konnte. Ansonsten war man mit dem Verlauf vollauf zufrieden.

Nachdem man mit dem Gillamoos-Schießen 1953 nicht den Erfolg von 1952 wiederholen konnte, wagte man sich erst 1970 wieder an die Durchführung desselbigen. Diesmal mit geänderten Bedingungen. Das Schießen wurde zukünftig, mit vereinzelten Ausnahmen, bis auf den heutigen Tag nur noch Vereinsintern abgehalten. Bis 1953 war es ein “offenes Schießen“.

Aus der Chronik der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548

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