Die Ägidiuskirche und deren Abbruch 1813

Kalksteinvon Franz Piendl.
Dieser Kalkstein mit dem eingemeißelten Kopf aus der Zeit um 1250 ist der einzige Stein, der von der ursprünglichen Ägidiuskirche am Gillahof noch erkennbar übrig geblieben ist. Diese Kirche wurde nach der Säkularisation 1803 im Jahre 1813 abgebrochen. Einige Steine der Kirche wurden im benachbarten Schillhof verbaut. Der oben abgebildete Stein befindet sich seit der Eröffnung des Stadtmuseums Abensberg im Juli 2006 im Herzogskasten Abensberg. Das Besondere ist, dass dieser Stein „auf Augenhöhe“ im Stadtmuseum eingebaut wurde. Dies verlangte von den Innenarchitekten umfangreiche Planungen und Kenntnisse.

Der romanische Kalkstein ist 45 cm breit und 34 cm hoch. Die tiefste Stelle seiner Ausbuchtung nach hinten beträgt 41 cm. Ursprünglicher Standort der Ägidiuskirche war südlich des Gillahofes.

Im Staatsarchiv Landshut existieren über den Abbruch von Kirchen nach der Säkularisation zahlreiche Dokumente. Dabei befinden sind auch Unterlagen, worin es um die Entbehrlichkeit der beiden Kirchen Dürnbuch und Gilla geht. Dabei wurde auch ein Schriftverkehr mit der Königlichen Stadtpfarrei Abensberg geführt.

Mit Schreiben vom 9. März 1813 der Königlichen Regierung wurde schließlich das Landgericht Abensberg angewiesen, dem Auftrag zum Abbruch bis zum 25. des Monats zu genügen.

In den Akten ist auch die Rede davon, dass die Kirchensteine ursprünglich gem. einem Vertrag zum Bau einer Brücke in Landshut verwendet werden sollen, aber gegenwärtig bedarf man der Steine zum Bau des Pfarrkirchturms in Siegenburg. Allein das mag belegen, dass es sich nicht nur um eine Kapelle gehandelt haben kann, sondern mindestens um eine kleinere Kirche, die eine beträchtliche Kubatur an guten Steinen gehabt haben muss.

Als konkretes Abbruchdatum der St. Gillakirche ist in den Archivakten der Zeitraum vom 28. Juli und dem 21. August 1813 angegeben.

Zu welchem Zweck und wo dann die abgebrochenen Steine verwendet wurden, kann nicht mit letztendlicher Sicherheit gesagt werden. Die Rede ist auch davon, dass diese im benachbarten Schillhof verwendet wurden.

Am Ende des Kurfürstentums Bayern hat eine offensichtlich staatlicherseits sehr antireligiöse Stimmung geherrscht, aus der auch die Säkularisation 1803 kräftig genährt worden ist.

So schreibt z.B. die Churfürstliche Landesdirektion von Baiern in München am 21. Mai 1804 an das Landgericht Abensberg:

„Hinwegschaffung der Feldkapellen, Heiligen und Martersäulen: Es kommt vor, dass der vorherige Landrichter im Hinwegräumen der Religionsaushangschilde nichts getan habe, und eine Menge Figuren, Kreuze und Martersäulen zur Schande der Gegend und Nachbarschaft noch bestehen: In Zeit 8 Tagen müssen sie alle für jedes derlei Überbleibsel hinweggeschafft sein.“

Darüber hinaus existiert eine Akte mit dem Titel: „Abbruch der entbehrlichen Filialkirchen und Kapellen 1807 bis 1815“.

Aus dem Schriftverkehr dieser Akte von 1811 bis 1813 ist ersichtlich, dass insgesamt 18 Kirchen und Kapellen aus dem Landgericht Abensberg für entbehrlich angesehen wurden. Mit dabei aufgeführt sind u.a. die Kirchen in Altdürnbuch, Gasseltshausen, Gilla, Heiligenstadt, Neukirchen, Oberulrain, Tollach und Unterhörlbach. Einige dieser Kirchen sind dann letzten Endes doch nicht abgetragen worden und stehen heute noch.




Was den Abbruch der Ägidiuskirche anbelangt, hat sogar der Abensberger Stadtpfarrer mit Schreiben vom 2. November 1811 bestätigt, dass die „St. Ägid-Kirche gänzlich entbehrlich“ ist.

Allzu leicht hat sich der Staat den Abbruch der Kirchen jedoch auch nicht gemacht. Für den Abbruch von Kirchen überhaupt in dieser Zeit wurden Kriterien zugrunde gelegt wie z.B. Zahl der Einwohner, Entfernung zur Mutterkirche, Befindet sich an dem Kirchenort eine Schule, welche Stiftungen bei der Kirche existieren, welches Vermögen vorliegt, wie hoch die jährlichen Einnahmen und Opfergeldern sind, ob sich bei der Kirche ein Begräbnisplatz befindet, ob in der Kirche noch Gottesdienste stattfinden, Beurteilung des baulichen Zustandes der Kirche usw., Kostenaufwand des Abbruchs im Verhältnis zum Verkauf des Materials usw.

Aus einer Zusammenstellung vom 15. November 1813 ist zu entnehmen, dass der Abbruch der entbehrlichen St. Gilla-Kirche 160 Gulden und 35 Kreuzer gekostet hat. Den Abbruch selbst haben der Landgerichts-Maurermeister Josef Zellner von Abensberg mit 10 Arbeitern und der Landgerichts-Zimmermeister Josef Hagn vorgenommen. Mit dabei sind auch die Belege mit den Namen der Arbeiter, die die Kirche abgebrochen haben und die Zahl der einzelnen Arbeitstage mit den Entlohnungen.

Der Abbruch der St. Ägidius-Kirche 1813 Kosten hat insgesamt 160 Gulden und 35 Kreuzer gekostet.

Um 1813 hatte ein Gulden 60 Kreuzer und ein Kreuzer 4 Pfennig; ein Gulden hatte somit 240 Pfennig. Im Vergleich dazu einige Kosten der damaligen Zeit:

1 Scheffel Weizen (ca. 5 Zentner) kostete 14 Gulden und 1 Scheffel Gerste (ca. 5 Zentner) kostete 11 Gulden, 1 Pfund Ochsenfleisch kostete 10 Kreuzer, 1.000 Ziegelsteine kosteten 12 Gulden und 1 Fuhre Sand kostete 65 Kreuzer, der Jahresverdienst eines Baumeisters betrug 58 Gulden, der eines Oberknechts 55 Gulden, der eines Stallbuben 27 Gulden, der Jahresverdienst einer Oberdirn belief sich auf 40 Gulden und der einer Hausmagd betrug 20 Gulden. Im Vergleich dazu betrug das Jahresgehalt eines Lehrers gerade einmal 40 Gulden.

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Franz Piendl.

 

Die folgenden auch 1813 zum Abbruch vorgesehenen Kirchen stehen heute noch:

Altdürnbuch-St-Margaretha

Altdürnbuch, Kirche St. Margaretha

Neukirchen-St-Georg

Neukirchen, Kirche St. Georg

Oberulrain-St-Achatius

Oberulrain, Kirche St. Achatius

Unterhoerlbach-St-Georg

Unterhoerlbach, Kirche St. Georg




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